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SEP 11
Ironman Wales

Bereits am Dienstag reisten André und ich an um uns noch ausreichend an die Bedingungen vor Ort zu gewöhnen. In den Folgetagen stießen dann noch meine Freundin Aniko, Bruder Patrick, die Mutti, Stefan (nicht mit auf dem Foto), Kerstin und Ingo zu uns. So hatten André und ich einen perfekten Betreuerstab um uns. ;-)

Mittwoch und Donnerstag ging’s mir gar nicht gut und ich verbrachte beide Tage fast ausschließlich im Bett. Das Wetter war richtig schlecht - es regnete ununterbrochen bei stürmischem Wind. Patrick und André berichteten mir dann noch von einer extremen Radstrecke... Zum Glück ging es ab Freitag wieder gesundheitlich bergauf und ich konnte 15 Minuten joggen gehen. Am Sonnabend dann mit der Wettkampfbesprechung und dem Einchecken des Rades das übliche Prozedere. Eine kleine Runde mit dem MTB und Patrick an der Seite stimmte mich dann doch optimistisch für einen Start am Sonntag. 
Der Schwimmstart wurde aufgrund der hohen Wellen auf eine benachbarte Bucht verlegt. Wir „durften“ deshalb noch mal zusätzlich 1000m bis zur ersten Wechselzone einplanen. Beim Einschwimmen zehn Minuten vor dem Start brach dann eine Welle direkt über mir und ich hab meine Schwimmbrille dem Meer schenken müssen.

Ein Ersatz konnte dank der wirklich unheimlich netten Menschen vor Ort schnell gefunden werden und der Startschuss ertönte auch schon. Doch anstatt den Wasserweg zur ersten Boje zu nutzen liefen plötzlich (fast) alle noch etwa 300m am Strand entlang und kürzten so natürlich um einiges ab. Ich lief da natürlich mit. Im ca. 16 Grad kühlen Wasser angekommen merkte ich sofort das es läuft. Ich konnte mich gleich in der Profigruppe um die führende Frau (Anja Ippach) festsetzen und da am Ende der Gruppe auch relativ locker mit schwimmen. Beim Landgang nach der ersten Runde dann ein kurzer Schock - Krampf im hinteren linken Oberschenkel. Weiterschwimmen war unmöglich, Rückenschwimmen hat auch nichts gebracht und so musste ich dehnen und natürlich anhalten. Die Gruppe und auch der Rhythmus waren erst mal weg... Dennoch bin ich mit der Schwimmleistung zufrieden, da der Trend ja weiter nach oben geht.

 
Nach dem sehr langen Wechsel und der Stadtdurchquerung von Tenby gings endlich aufs Rad. Die Strecke konnte ich mir leider wie gesagt nicht ansehen, umso gespannter war ich nun auf das was kommt. Aus Tenby raus blies erstmal ein kräftiger Gegenwind und ich war gleich voll in meinem Element. Schnell schob ich mich von den Top 30 in die Top 20 und überholte auch Kumpel André, der als 12. aus dem Wasser gestiegen ist. Es ging ständig hoch oder runter auf extrem rauem und auch nassem Asphalt. Nach etwa 30 Kilometern war ich dann bei der Nr. 2 Nick Saunders angelangt. Einen Namen den ich mir aus der Starterliste eingeprägt hatte. Er war beim Ironman Regensburg 2010 gesamt fünfter. Ich orientierte mich an ihm und merkte aber, dass ich schon sehr viel langsamer unterwegs war als vorher. Plötzlich hielt er wegen einem Defekt an und ich war wieder allein unterwegs und hatte aber nun auch noch drei andere Profis im Schlepptau. Nach Kilometer 90 erreichte ich dann eine Drei-Mann Gruppe mit dem späteren Sieger, dem 3. und dem deutschen Profi Daniel Müller. Die Strecke verlangte wirklich alles ab und zu den gefährlichen, engen Straßen kamen nun noch unzählige Überrundungen dazu. Zum Glück hatte das Wetter ein einsehen und die Sonne trocknete die Straße ab. Nach der letzten Durchfahrt in Tenby bei Km 115 erfuhr ich dann auch, dass es in meiner Gruppe schon um Platz Drei geht. Da ich aber keine Lust hatte alle anderen mitzuziehen, drückte ich noch mal aufs Tempo. Schnell konnte ich mich dann einige Meter absetzten und nur Daniel Müller konnte folgen. Nun machte das Radfahren so richtig Spaß. Das Tempo war nun perfekt und wir konnten sogar noch das eine oder andere Wort wechseln. Zwischendurch flogen wir noch am Zweitplatzierten vorbei und erst 15 Km vor Ende der Radstrecke an einer 16%igen „Wand“ war ich dann auf mich alleine gestellt. Das Gefühl als Gesamtzweiter war super und ich verspürte noch keine wirklichen Schwächeerscheinungen. Der Abstand zum führenden Australier Aaron Farlow betrug nun auch nur noch fünf Minuten und es hat einfach nur Spaß gemacht - genau wie Patrick es mir nach seiner Streckenbesichtigung angekündigt hat.


Rein in die Laufschuhe und los. Ich musste mich ständig bremsen nicht zu schnell loszulaufen, da ich zum ersten Mal bei einem Ironman völlig ohne Probleme loslaufen konnte. Die Nahrungsaufnahme beim Radfahren hat sehr gut geklappt und die ersten Laufkilometer vergingen wie im Flug. Nach 10 Km hatte ich einen glatten 4er Schnitt und immer noch keine Probleme. Die Laufstrecke war ähnlich profiliert wie die Radstrecke - Flachpassagen gab’s KEINE!!! Leider hab ich zu dieser Zeit einfach zu wenig auf die Ernährung geachtet und damit auch viel zu wenig zu mir genommen. Das rächte sich dann bei km 25 als mich der spätere Sieger wie entfesselt überholte. Ich war zwar immer noch auf Rang Drei, doch die Energie war plötzlich alle und der Schritt wurde sehr schwer. Alles lief auf Reserve und ich war froh mein Betreuerteam an der Strecke zu haben. Sie bauten mich auf und hielten mich auf dem aktuellen Stand. Ich büßte noch drei Plätze ein und konnte mich im Ziel dennoch über meinen bisher größten Erfolg freuen. Platz Fünf bei den Profis - das hätte ich nie für möglich gehalten.

 
Neben dem Preisgeld kann ich mich außerdem über immerhin 600 Punkte für das Hawaii-Ranking freuen. Kumpel André finishte seinen ersten Ironman auf einem beachtlichen 49. Gesamtrang (von etwa 1500 Teilnehmern).
 Mein Dank gilt natürlich allen Unterstützern/Sponsoren, meinem Trainer Thomas, dem unermüdlichen Betreuerteam vor Ort, den Trainingspartnern und natürlich all denen die an mich gedacht haben, SMS geschrieben haben usw.




 
Fazit: Der schwerste Ironman den ich je gemacht habe, die Radstrecke (ca. 2400hm laut Garmin) ist ähnlich schwer wie die auf Lanzarote nur noch unrhythmischer zu fahren und die Laufstrecke ist dann noch mal aufgrund ihrer vielen Höhenmeter (über 500hm) extrem...Ein Wettkampf der durchaus zum Mythos werden könnte - in einer krassen Gegend gelegen - mit unheimlich freundlichen Einwohnern. Ein paar organisatorische Problemchen gab’s sicher, aber schon bei der nächsten Auflage wird’s bestimmt noch besser. So, Beine hoch und auf Mexico am 27.11. freuen ;-)
 
Ergebnisse:
ironman.com/events/ironman/wales/

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